Vielfarbiges Venn

Eine geheimnisvolle Hochmoorlandschaft zwischen Ardennen und Eifel – das Hohe Venn im Osten Belgiens, sowohl in Wallonien als auch auf dem Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft gelegen, ist einmalig in Mitteleuropa. Lange Holzstege führen durch die endlos scheinende Einsamkeit und locken Jahr für Jahr Hunderttausende an. Viele Menschen aus der Region fühlen sich mit dem Venn eng verbunden: Ein Schäfer weidet dort seine Ardenner Fuchsköpfe, speziell ausgebildete Naturführer zeigen Fremden die Besonderheiten des Hochmoors, Naturfreunde aus Eupen opfern ihre Zeit für das Venn und ein Monschauer Künstler trotzt jedem Wetter, um die Farbenpracht der Moorlandschaft einzufangen.

Nach dem Friedens-Vertrag von Versailles wurden die Kreise Eupen-Malmedy 1920 als Ostkantone an Belgien abgetreten und bis 1925 durch den General Herman Baltia kommissarisch verwaltet. Dann wurde in Eupen und Malmedy eine Volksabstimmung durchgeführt, in der es um die Frage ging, ob die Region permanent vom Deutschen Reich abgetrennt werden und zu Belgien gehören sollte.

Allerdings war diese Abstimmung nicht wie vertraglich bestimmt geheim, vielmehr wurden Name und Anschrift jedes Wählers erhoben. Es kann davon ausgegangen werden, dass das Ergebnis der Abstimmung massiv durch die Furcht vor Ausweisung oder anderen Repressalien seitens der Baltia-Verwaltung beeinflusst wurde. Da die ersten Protestierer unter großen Druck kamen (Ausweisung, Ausschluss vom Geldumtausch und bei der Verteilung von Lebensmittelkarten, Entlassung u.a.), wagten nur 271 der 33.726 Wahlberechtigten ihre Eintragung.

Nach einer fünfjährigen Übergangszeit unter der Regierung des königlichen Hochkommissars General Herman Baltia wurde das Gebiet um Eupen, Malmedy, St. Vith und Neutral-Moresnet (Kelmis) 1925 in den belgischen Staatsverband eingegliedert. Während der Zeit von 1918 bis 1925 unterlagen die ostbelgischen Medien der Zensur.

Zu dieser Zeit entstanden pro-Deutsche politische Organisationen wie die Heimattreue Front.

Ab 1925 bis Ende der 1920er Jahre liefen Verhandlungen zwischen Belgien und der Regierung der Weimarer Republik, das Gebiet an Deutschland gegen eine Entschädigungssumme von 300 Millionen Goldfranken zurückzuverkaufen. Dies scheiterte hauptsächlich am Widerstand der französischen Regierung, während die anderen Unterzeichnermächte des Versailler Vertrages ihre Zustimmung auf diplomatischem Wege kundgetan hatten. Die Gespräche wurden daraufhin abgebrochen.

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